iPad-Schulen, Produktbindung und die (Un-)Freiheit der Gedanken

Vorab: Ich schreibe diese (unvollständige) Kritik als Heuchler – ich bin selbst Apple-Nutzer und einigermaßen überzeugt von den Möglichkeiten, die diese Produkte eröffnen.

Ich bin vor einigen Tagen nochmal über den Vortrag von Eben Moglen “Freedom of Thought Requires Free Media” (im Rahmen der #rp12) gestolpert. Dabei ist mir wieder bewusst geworden, dass wir uns mit dem Wunsch nach digitalen Medien im Unterricht auf einem schmalen Grat bewegen, wenn wir uns bedingungslos an Hard- und Software binden, die von Wirtschaftsunternehmen mit klarem ökonomischen Interesse vertrieben werden.

Das Label “iPad-Schule” halte ich in diesem Zusammenhang für hochproblematisch. Wenn wir Medienkompetenz ernst meinen, dann müssen wir auf die Bequemlichkeit, die uns z.B. Appleprodukte zweifellos offerieren, verzichten und freie Hard- und Software nutzen. Mit einer Produktbindung an dieses oder jenes Konzept (weil wir es hip und sexy finden) behindern wir die Entwicklung freiheitlicher Gesellschaften: “Ensuring that media remain structured to support rather than suppress individual freedom and civic virtue requires us to achieve specific free technology and free culture goals. Our existing achievements in these directions are under assault from companies trying to bottleneck human communications or own our common culture, and states eager to control their subjects’ minds.” (Moglen)

Das staatliche Schulen nach dem Label “iPad-Schule” streben ist eigentlich ein Unding. Und in Cupertino reiben sich Marketingstrategen und Buchhaltung die Hände. Wir sollten uns dringend Gedanken darüber machen, ob wir Bequemlichkeit höher bewerten als echte Medienkompetenz, die ja immer eng verknüpft ist mit echter Teilhabe an einer digitalen Gesellschaft. Wer Bildung mit Google oder Apple Produkten gestaltet, der sollte gemeinsam mit SuS auch darüber nachdenken, wie die Technik funktioniert, wer oder was dahinter steckt und was der Preis für technische Monokultur sein kann. Wenn wir das nicht tun, dann verharren wir bei Hipster-Bildung und vernachlässigen unsere Bildungsaufträge.

Natürlich ist es im ersten Moment “uncool” und unbequem sich mit freier Software und z.B. Raspberry Pi auseinanderzusetzen, aber wenn wir echte “Maker” und nicht “Jünger” ausbilden wollen, dann müssen wir auf opportune Mono-Produktbindung verzichten bzw. zu einem kritischen Umgang damit anleiten. Wer “Apple sagt, muss auch “Android” sagen können. Das hässliche Stichwort “alternativlos” sollte es in dieser Debatte nicht geben.

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