Nachtrag zum Humor-#EDchatDE oder warum Selbstironie eine Kernkompetenz für Lehrer/innen sein sollte.

razorirony

Foto „Ohtheiron(y)“ von Karl Berstein unter CC BY 4.0.

 

 

Ein Nachtrag zum letzten Edchat („Humor im Klassenzimmer„), weil ich nicht teilnehmen konnte/wollte, um den unverdienten (aber grandiosen) Sieg des BVB nicht zu verpassen.

Mir geht es nicht so sehr um die Frage nach Humor sondern um den Teilaspekt „Selbstironie“. Mit @lacknere habe ich vor einigen Tagen ein paar Tweets zu eben jenem Thema ausgetauscht.

Hier also nun noch ein paar zusätzliche Bemerkungen, die sich (vielleicht nicht) nahtlos in den letzten edchat einfügen.

In meiner Umgebung gibt es viele Lehrer/innen, denen Selbstironie und das Lachen über sich selbst völlig abhanden gekommen sind. Über sich selbst zu lachen ist für viele Menschen in exponierten Positionen keine Option. Bildungsaufträge sind eine ernste Sache und sollten auch so ausgeführt werden. In Klassenarbeiten werden humoristische Einlassungen – unabhängig von deren Richtigkeit – oftmals pauschal als „falsch“ bewertet. „Ausdrucksfehler“ nennen Lehrer/innen selbst scharfsinnigen Einsatz von Humor. Humor wird häufig als persönlicher Angriff auf die eigene Kompetenz gewertet – manchmal sogar persönlich genommen. Humorlosigkeit und mangelnde Selbstironie können im Falle von berufsalltäglichen Missgeschicken die eigene Person konterkarieren.

Ein Freud’scher Versprecher? Supergau. So ein Zwischenfall wird in der Regel lieber – mehr oder weniger – elegant umschifft oder mit rotglühenden Ohren einfach übergangen. Dabei spielt hier das Alter eher keine Rolle. Ich beobachte diese Reflexe im Umgang bei Referendar/innen, und erfahrenen Kolleg/innen gleichermaßen.

Dabei ist Selbstironie eine Chance. Über sich selbst lachen zu können, kann ein vollkommen entwaffnendes Momentum sein. In Unterrichtseinheiten, kann ein „Abfall geistiger Anwesenheit“ der Resetknopf für Lehrende und Lernende sein. Befreiendes Lachen, ein wenig rumalbern, kopfschütteln und dann geht es weiter. Statt zu versuchen, das Gelächter mit einem bösen Blick und dem Zusatz „seid doch nicht so kindisch“ im Keim zu ersticken, einfach mal mit(m/l)achen. Sich selbst nicht so ernst nehmen. Das ist für viele nicht leicht. Mir hilft eine ironische Selbstwahrnehmung beim reflektieren meiner Arbeit. Selbstironie schafft einen gesunden Abstand zu sich selbst.

Vielleicht hat es auch mit der Angst vor Autoritätsverlust zu tun? Kann es sein, dass meine Schüler/innen nicht mit mir sondern über mich lachen? Lieber humor- und freudlos, als zum Gespött werden. Und am Ende wird man es mit der harten Hand eben doch schwer haben. Vielleicht nicht weil man zum Gespött geworden ist sondern zu einer/ einem „richtigen“ Lehrer/in – mit Stock im Arsch und der (dem) Faust im Gesicht – bis zur Pensionierung. Ich ermutige ausdrücklich zu Humor und besonders zur Selbstironie. Natürlich sind Humor und Selbstironie auch immer Typfragen, aber nicht alles immer bierernst zu nehmen, halte ich für wichtig, um in unserem Beruf be- und überstehen zu können. Ich würde sogar soweit gehen, „Selbstironie“ als eine elementare Lehrenden-Kompetenz zu bezeichnen.

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Unmündigkeit durch Bildung – ein Nachtrag zum letzten #edchatDE

Na dann, halt doch ein eigenes Blog. Und hier der erste Beitrag, den ich heute morgen bereits auf dem Blog vom @amsellen gepostet habe (posten durfte!!!).

Ein Nachtrag zum #EdchatDE vom 10.03.2015 zum Thema „How schools kill creativity“. Ein wichtiges Thema. Mein erster Edchat. Zu der These Ken Robinsons („Schule erstickt Kreativität“) wurde dann jedoch nur wenig getwittert. Das ist schade, denn in dieser These verbergen sich grundsätzliche Fragen nach der Qualität des Bildungssystems und unserem Verständnis von Lehren und Lernen. Im Kern der These geht es nicht darum, dass Schulen einen Aspekt menschlicher Handlungsfähigkeit vernachlässigen. Es geht um das Erwachsenwerden und eine damit einhergehende Mündigkeit. Am Ende steht hinter Robinsons These der Zweifel am Zustand der Gesellschaft selbst. Leider ist diese Diskussion hinter die Gespräche über digitale Medien und gute Apps für den Unterricht zurückgetreten (wahrscheinlich ist dieses Versäumnis auch einfach dem Format geschuldet – das Thema zu groß). Also werde ich jetzt hier ein bis drei lose und äußerst subjektive Gedanken in diesen Internet schreiben.

Wer Kant zückt, der erntet schnell mal Augenrollen und Gespött (meist zurecht). Ich will das in diesem Moment gerne ertragen, um die Reichweite der These von Sir Ken Robinson darzustellen. Kant beginnt  seinen Essay “Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ mit der Feststellung, dass Aufklärung der Ausbruch aus der Unmündigkeit ist.

“AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldetenUnmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.”

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